Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Eine Heimstunde des Jungzuges 1/23/148  

Im Bentheimer Heimatkalender 1938 findet sich der Bericht des Jungzugführer Berthold Wendelmann über den Ablauf einer "Heimstunde". Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren gehörten zum "Jungvolk", Jungendliche von 14 bis 18 Jahren zur "Hitlerjugend". Jungen und Mädchen waren getrennt organisiert. Bis zu 15 Jungen, die man "Pimpfe" nannte, bildeten eine "Jungenschaft", zu einem "Jungzug" gehörten 3 Jungenschaften, also bis zu 45 Kinder. Für Mädchen, die man als "Jungmädel" bezeichnete, gab es entsprechend eine "Jungmädelschaft" bzw. Jungmädelschar. Für die "Jungvolkführer" galt die Altersgrenze von 14 Jahren nicht.

Zur Sommeruniform gehörten kurze schwarzen Hosen mit einer vorgeschriebenen Länge "Handbreit über dem Knie", sie wurden ergänzt durch graue Kniestrümpfe. Der Große Dienst umfasste solche Aktivitäten, die sich draußen, im Gelände, bei Geländespielen und bei mehrtägigen Fahrten abspielten. Zum Großen Dienst wurden als zusätzliche Ausrüstungsstücke das DJ-Marschgepäck mit Tornister (Affe), Schlafdecke, Zeltbahn mit Zeltzubehör (Zeltstange, Zeltleine und Hering), Essgeschirr mit Essbesteck, Feldflasche mit Trinkbecher und der Brotbeutel vorgeschrieben.

"Pimpfe" in der typischen Uniform bei einer als "Kriegsdienstpflicht" propagierten Nachbarschaftshilfe in einem Berliner Mietshaus, Kohlen werden aus dem Keller geholt. Berlin, o.J. - Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1975-069-33 / CC-BY-SA

Bei der Winteruniform erwiesen sich die vorgeschriebenen kurzen Hosen mit bloßen Knien bei kaltem Wetter als unzureichend. Bald wurde den Pimpfen gestattet, lange gestrickte wollene Strümpfe oder selbst gestrickte Gamaschen zur Winteruniform zu tragen. Weil das sicher nicht zu Unrecht als sehr unattraktiv angesehen wurde, bürgerte es sich ein, zur Winteruniform die lange dunkelblaue DJ-Skihose (so genannte Überfallhose) zu tragen.

Der Bericht des Jungzugführers im Original:

Ich gebe meinem Jungzug bekannt: ,,Jungzug 1 hat heute Heimstunde.“ Ich sehe es meinen Jungens an, sie freuen sich.
Wir rücken ab nach unserem Heim. Dieses besteht aus einem Tisch und zwei Bänken. Weiße, kahle Wände sehen uns an, und doch sind wir zufrieden; denn wir sind stolz, unendlich stolz auf unser Heim. Haben wir es doch bekommen, weil wir der beste Jungzug des Fähnleins 23/V/148 sind! Wir fühlen uns glücklich in diesem Raum.

Bei der Flaggenhissung sehe ich mutige und tapfere Kerle, die bereit sind, für ihren Führer durchs Feuer zu gehen, in strammer Haltung vor mir stehen.

Nach Beendigung der Fahnenhissung beginnt unsere Heimstunde. Zuerst grüßen wir unseren Führer und Reichskanzler Adolf Hitler mit einem dreifachen ,,Sieg-Heil“. Kurz und scharf hallt es durch den Raum. Voller Innigkeit rufen es meine Jungen aus.

Nun singen wir das Nordseelied. Trutzig kommt es von unseren Lippen ,,….sei’s drum, wir trutzen alles Not, wir Nordseejungen marschieren!“ Nachdem wir gesungen haben, schildere ich meinem Jungzug die Kampfzeit der Bewegung Adolf Hitlers. Ich spreche von Horst Wessel, von Herbert Norkus und von all den vielen anderen, jetzt toten Helden der Nation. Gespannt lauschen und folgen sie meinen Worten, sie werden sie für immer behalten. Auch spreche ich von dem Zerfall des Deutschen Reiches und von den Elementen, die das Volk an den Rand des Abgrundes führten. Dann stelle ich demgegenüber das starke Dritte Reich mit seinem großen, mächtigen und tapferen Führer Adolf Hitler. Jetzt begreifen und verstehen sie erst, was sie alles Adolf Hitler und seinen Getreuen zu verdanken haben; jetzt fühlen und spüren sie den Kampf um die Macht Deutschlands. Nun, wo sie dieses alles wissen, sind sie stolz auf ihren Führer und fühlen sich glücklich, in dieser großen Zeit leben zu dürfen.

Noch einmal singen wir ein Lied. Danach treten wir zur Flaggenniederholung an. Zum Schluß grüßen wir noch einmal unseren Führer. Die Heimstunde ist beendet. Meine Jungens werden sagen: „Das war eine pfundige Heimstunde.“ Ich behaupte das gleiche. Denn, mit solchen Kerlen einmal rechte und echte Kameradschaft üben zu dürfen, ist für mich ein Erlebnis.

Der Dichter Fritz Behrendt hat es verstanden, den Willen, den Kampf und den Sieg der deutschen Jugend in seinem Gedicht „Bekenntnis“ zu schildern. Ich möchte mit diesem Gedicht schließen, es lautet:

In unseren Augen steht, was wir wollen!
In unseren Herzen glüht, was wir sollen!
In den hellen Morgen bringt unser Blick:
Jugend ist Glück

Wir verachten die Faulen und die Satten!
Wir lassen sie hinter uns im Schatten.
Wir schreiten mutig voran ins Licht:
Jugend ist Pflicht!

Nichts kann uns unser Ziel verblenden.
Wir sind bereit, Volksnot zu wenden!
Mit Kopf und Hand wird wacker geschafft:
Jugend ist Kraft!

Die Trommeln und die Hörner locken!
Wer bleibt noch hinter dem Ofen hocken?
Wir setzen die Fahne auf den höchsten Turm:
Jugend ist Sturm!

Und wenn das Herz zum letzten geschlagen:
Wir haben für Deutschland die Fahne getragen!
Wir haben gekämpft einen heiligen Krieg:
Jugend ist Sieg!

Quelle: 

Bentheimer Heimatkalender 1938, S. 38/39

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