Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Zwangsmaßnahmen gegen Lehrkräfte  

Zusammenfassend kann man sagen, dass die überwiegende Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer in der Grafschaft Bentheim die Umgestaltung der schulischen Verhältnisse im nationalsozialistischen Sinne, die sofort nach der "Machtergreifung" einsetzte, bereitwillig mitmachte. Die Eintragungen in den Schulchroniken reichen von vergleichsweise emotionslosen Beschreibungen der Abläufe bis zu willfährigen, teils begeisterten Kommentaren.

Schon seit dem 7. April 1933 galt das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Danach waren Beamte, die "nicht arischer Abstammung" waren, in den Ruhestand zu versetzen. Diejenigen Beamten, die "nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, dass sie jederzeit für den nationalen Staat eintreten", konnten aus dem Dienst entlassen werden. Gemeint waren damit Juden und diejenigen, die in linksgerichteten Parteien engagiert gewesen waren.

Angesichts dieser rigiden Vorgaben ist es wenig verwunderlich, dass die meisten Lehrkräfte mit Anpassung reagierten. Dennoch gerieten einige mit den neuen Bedingungen in Konflikt. Bekannt sind diese Fälle:

  • In Bimolten wurde der Lehrer Wilhelm (?) Dirksheide im Frühjahr/Sommer 1933 wegen seiner nicht arischen Abstammung aus dem Schuldienst entlassen. Er war seit 1927 an der Schule tätig gewesen.

  • In Lingen wurde der Schulrat Meyer, seit 1928 im Amt, zum 1. April 1933 aus politischen Gründen beurlaubt und als Rektor nach Düsseldorf versetzt.

  • In Schüttorf kam es am 18. April 1937 zu einer Versammlung in der Kirche, nachdem der Rektor der Kirchschule und zwei (oder drei) weitere Lehrer aus der reformierten Kirche ausgetreten waren. Der Kirchenrat wollte dem zuständigen Schulrat eine von Eltern unterschriebene Liste überreichen, mit der dagegen protestiert werden sollte, dass aus der Kirche ausgetretene Lehrer an einer evangelischen Schule unterrichteten. Die Versammlung fand in der Kirche statt. Der persönlich erschienene Landrat ließ die Versammlung auflösen und den Pastor Middendorf aufs Rathaus bringen. Dem Lehrer und Kirchenältesten Johann Bergmann, der bei der Versammlung anwesend war, wurde anschließend von der vorgesetzten Behörde vorgeworfen, er habe "an einer staatsfeindlichen Demonstration" teilgenommen. Er wurde aus Schüttorf ausgewiesen und nach Zwangspensionierung später an der Haupt- und Mittelschule Lengerich beschäftigt. Am 1.9.1945 wurde Bergmann nach Schüttorf zurückberufen, zum kommissarischen Rektor ernannt und später auch als solcher bestätigt.

  • Am 24. August 1939 wurde in Bentheim Rektor Arendt trotz seines fortgeschrittenen Alters als Oberleutnant zur Wehrmacht eingezogen, "weil er sich gegenüber der NSDAP provozierend verhalten habe". So berichtet es Frau Ribbink, Bad Bentheim, die spätere Konrektorin der Schule. Konrektor Ribbink übernahm die Vertretung. Am 1. 1. 1941 wurde Rektor Arendt, der sich im Kriegsdienst befand, eine Rektorstelle im Schulverband Nordhorn übertragen. Wie es im Versetzungsschreiben heißt, musste er wegen seiner "judenfreundlichen Gesinnung" aus Bentheim weg. Er sei nicht bereit gewesen, in der Pogromnacht im November 1938 bei Zerstörungen mitzuwirken. Außerdem sei ihm übel vermerkt worden, dass er sich mit Kaufmann Neter, dem letzten Vorsteher der jüdischen Gemeinde, auf der Straße unterhalten und ihm die Hand gegeben habe. Nach dem Kriege wurde er Mittelschulrektor in Nordhorn.

  • Konrektor Ernst Buermeyer war Bürgermeister von Gildehaus bis 1934. Auf Veranlassung der Nationalsozialisten wurde er nach heftigen Schikanen durch den Kreisleiter Dr. Ständer nach Hone bei Osnabrück versetzt. (Siehe gesonderten Beitrag)

  •  Jan Albert Blekker war begeisterter Anhänger des Nationalsozialismus mindestens ab 1930. Er gründete die NSDAP-Ortsgruppe Uelsen, wurde nach Georgsdorf strafversetzt und beteiligte sich auch dort sofort an der Gründung einer Ortsgruppe. Später soll er aus der Partei ausgetreten sein. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Niederlande wurde er nach offener Kritik denunziert, wegen "Wehrkraftzersetzung" zu Zuchthaus verurteilt. Er starb im April 1942 im KZ Sachsenhausen. (Dazu ebenfalls ein gesonderter Beitrag)

Quelle: 

- Heinz Ragnitz, Zwangsmaßnahmen gegen Lehrkräfte, in Grafschafter Schulgeschichte, http://www.grafschafter-schulgeschichte.de/Allgemein/A03-4.html, abgenommen am 28. 3. 2013

- Karl Koch, Schüttorf in der "Geographie des Reiches Gottes", in: 700 Jahre Stadt Schüttorf, Beiträge zur Geschichte 1295-1995, S. 214

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