Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

 

Jan Albert Blekker  

Jan Albert Blekker wurde am 18. Juni 1884 in Uelsen geboren. Als Lehramtsbewerber und Nachfolger des Lehrers Bosmann übernahm er Ostern 1906 die Leitung der einklassigen Volksschule Ratzel. Im Frühjahr 1905 hatte er in Aurich die Abgangsprüfung bestanden. Danach absolvierte er zunächst eine einjährige Militärzeit.

Während seiner Zeit in Ratzel lernte er eine Holländerin aus Hardenberg kennen und heiratete sie. Nach siebenjähriger Tätigkeit in Ratzel wechselte er am 1. Mai 1913 zur Volksschule Hoogstede. 1919 übernahm er als Hauptlehrer die Leitung der Volksschule Uelsen. Er war der Nachfolger des Hauptlehrers Körner.

Im Jahr 1921 wird er als Vorsitzender der rechtsliberalen "Deutschen Volkspartei" in Uelsen genannt. Im Laufe der zwanziger Jahre wechselte er zur NSDAP und war an der Gründung der Ortsgruppe Uelsen maßgeblich beteiligt. Da er in seiner beruflichen Position deswegen Schwierigkeiten bekam, legte er den Vorsitz der Ortsgruppe nieder, die zu dem Zeitpunkt erst sieben Mitglieder zählte. Am 31. Juli 1930 meldete die Landjäger-Abteilung Neuenhaus, dass Blekker sich weiter als Nationalsozialist betätige und die Schulkinder in seinem Sinne beeinflusse.

Er erhielt von der Schulbehörde eine Strafe von 60 Reichsmark und wurde nach Georgsdorf versetzt. Er wollte der Versetzung zunächst nicht Folge leisten und die Ortsgruppe der NSDAP hielt eine Versammlung ab, in der die Rücknahme der Versetzung verlangt wurde.

Diese Forderung wurde abgewiesen und Blekker wechselte an die Volksschule Georgsdorf. An dieser Schule arbeitete er von 1930 bis 1935. Er gründete in Georgsdorf sogleich wieder eine Ortsgruppe der NSDAP.

1935 wurde Jan Albert Blekker zum Hauptlehrer in Veldhausen ernannt. Dort löste er sich vom Nationalsozialismus und trat aus der Partei aus.

Nach der Erinnerung seines Großneffen Nonno de Vries erregte sich Blekker besonders darüber, dass die deutschen Soldaten nach dem Einmarsch in die Niederlande der holländischen Zivilbevölkerung viele Wertsachen abgenommen hatten. Er kritisierte dies auch in aller Öffentlichkeit. Er wurde angezeigt und anschließend in einem Strafverfahren wegen "Wehrkraftzersetzung" zu einer Zuchthausstrafe verurteilt.

Nach der Haft wurde er im Konzentrationslager Sachsenhausen gefangen gehalten.

Jan Albert Blekker sah die Grafschaft nie wieder. Wenige Tage nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus in Hannover erhielt seine Familie die Nachricht, er sei im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin an Lungenentzündung gestorben.

Als Todestag wird der 18. April 1942 angenommen. Eine Gedenktafel in Neuenhaus erinnert an ihn als eines der Opfer, die aus rassischen und politischen Gründen ermordet wurden.

Quellen: 

Nonno de Vries, "Erinnerungen an Hohenkörben", Bentheimer Jahrbuch 2009 (Auszug, Seiten 268 - 269)

Schulchronik der Volksschule Ratzel, hier 1907 bis 1913

Helmut Lensing, Der Aufstieg des Nationalsozialismus in der Grafschaft Bentheim mit besonderem Blick auf das Kirchspiel Uelsen 1923 - 1933, in: Bentheimer Jahrbuch 200, S. 151 - 268

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