Noch in den 1950er Jahren gab es in der Grafschaft armselige Moorhütten wie hier im Wietmarscher Twist. -
Bild: Jahrbuch des Heimatvereins 1958
 

Ein Waschlappen für die ganze Familie

 

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Geschichte der Hygiene - Seite der Firma Schülke & Mayer

Dr. Conrad war Zahnarzt in Bentheim. Fünf Jahre lang, von 1927 bis 1932, reiste er durch die Niedergrafschaft und erforschte Leben und Gesundheit der Menschen. Die Ergebnisse hielt er in seiner Doktorarbeit fest.

„Es ist erschütternd, wie die Menschen dort leben“, schrieb er. Es herrschte eine große Armut. Viele Häuser waren verfallen oder notdürftig ausgebessert, sie waren feucht und der Wind pfiff durch die Ritzen. Die Dächer bestanden aus Stroh, Ziegeln, Brettern oder Teerpappe, die Zimmerdecken aus verrußten Brettern, die Fußböden aus gestampftem Lehm.

Der einzige beheizbare Raum war die Küche. Bis zu 5 Personen schliefen in einem Bett, oft auch noch auf einem Strohsack in einer „Butze“. So nannte man die in eine Wand hinein gebauten Betten. Es wimmelte von Flöhen und Läusen.

Das Wasser holten die Menschen aus Brunnen. Sie waren oft nicht abgedeckt und in der Nähe von Misthaufen angelegt. Es sei für Trinkwasserzwecke nicht geeignet, stellten Untersuchungen fest. Eine Molkerei, die mit diesem Wasser ihre Geräte reinigte, musste geschlossen werden. Die Nahrung bestand vorwiegend aus Kartoffeln, Mehl, Speck, gepökeltem oder getrocknetem Fleisch und aus Milch. Obst und frisches Gemüse waren selten.

Auf den „Kochmaschinen“, die die offenen Feuerstellen ersetzt hatten, stand in vielen Familien eine mit Wasser gefüllte Schale. Darin lag ein Lappen. Jeder Bewohner des Hauses rieb sich morgens damit das Gesicht ab. Später benutzte man den Lappen, um den Tisch abzuwischen und das gebrauchte Geschirr zu säubern.

Obwohl die Lehrer in den Schulen immer wieder darauf hinwiesen, war Zähneputzen nicht üblich. Viele Erwachsene hatten im Alter von 30 Jahren keine Zähne mehr im Mund. - AB

Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Quelle: D. Krumbein, Das Wappentier der XXll Legion, in: Kunde 5, 1937

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