Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Die Reichstagswahlergebnisse im Kreis Grafschaft Bentheim von 1919 bis 1933

zusammengestellt von Dr. Helmut Lensing

 

1919

1920

1924 I

1924 II

1928

1930

1932 I

1932 II

1933

Wahlber.

22.661

22.784

25.155

25.878

30.020

32.244

34.216

34.402

34.992

Wähler

 

18.562

19.270

19.114

20.588

26.497

29.223

28.288

31.669

ungültig

 

47

318

260

443

82

127

128

187

gültig

19.424

18.515

18.952

18.854

20.145

26.415

29.096

28.160

31.482

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wahlbet.

85,7%

81,5%

76,6%

73,9%

68,6%

82,2%

85,4%

82,2%

90,5%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SPD

3012

3612

2850

3431

3794

3453

3249

3174

2730

 

15,5%

19,5%

15,0%

18,2%

18,8%

13,1%

11,2%

11,3%

8,7%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zentrum

3074

2852

3009

3304

3505

4840

5117

4978

5359

 

15,8%

15,4%

15,9%

17,5%

17,4%

18,3%

17,6%

17,7%

17,0%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DDP/

8749

3410

1067

1370

810

706

112

86

67

DStP  1

45,0%

18,4%

5,6%

7,3%

4,0%

2,7%

0,4%

0,3%

0,2%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DVP 2

4221

4062

2393

3346

2380

856

183

409

223

 

21,7%

21,9%

12,6%

17,7%

11,8%

3,2%

0,6%

1,5%

0,7%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DNVP/

169

2334

6074

5493

1497

1008

1893

2438

2442

KFSWR 3

0,9%

12,6%

32,0%

29,1%

7,3%

3,8%

6,5%

8,7%

7,8%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DHP/

193

1869

970

586

576

392

62

171

54

KVP 4

1,0%

10,1%

5,1%

3,1%

2,9%

1,5%

0,2%

0,6%

0,2%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

USPD 5

3

309

21

 

 

12

 

 

 

 

0,0%

1,7%

0,1%

 

 

0,0%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KPD 6

 

56

354

330

505

1155

1703

1867

1490

 

 

0,3%

1,9%

1,8%

2,5%

4,4%

5,6%

6,6%

4,7%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

VSB/ 7

 

 

888

762

445

6060

14.185

12.443

16.820

NSDAP 8

 

 

4,7%

4,0%

2,2%

22,9%

48,8%

44,2%

53,4%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CSVG/ 9

 

11

1041

167

62

 

 

 

 

CSRP 10

 

0,0

5,5%

0,9%

0,3%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CSVD 11

 

 

 

 

 

6399

2478

2438

2292

 

 

 

 

 

 

24,2%

8,5%

8,7%

7,3%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CNBLP/ 12

 

 

 

 

5403

870

40

 

 

DL  13

 

 

 

 

26,8%

3,3%

0,1%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

WP 14

 

 

 

 

725

490

28

11

 

 

 

 

 

 

3,8%

1,9%

0,1%

0,0%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Volksrecht 15

 

 

 

 

75

17

17

4

 

 

 

 

 

 

0,4%

0,1%

0,0%

0,0%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutschsoz. 16

 

 

210

52

25

 

 

 

 

 

 

 

1,1%

0,3%

0,1%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DBP 17

 

 

 

 

196

20

 

 

5

 

 

 

 

 

1,0%

0,1%

 

 

0,0%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonstige

 

 

75

13

147

137

29

141

 

 

 

 

0,4%

0,0%

0,7%

0,5%

0,1%

0,5%

 

Abkürzungen und Erläuterungen zu den Parteien: 

1 DDP: Die „Deutsche Demokratische Partei“ (DDP) schloss sich 1930 mit der „Volksnationalen Reichsvereinigung“, der politischen Organisation des „Jungdeutschen Ordens“, zur „Deutschen Staatspartei“ (DStP) zusammen. 1928 hatte die DDP ein Wahlbündnis mit einer von zwei kandidierenden „Volksrecht“-Parteien geschlossen, die vornehmlich für die Verlierer der Inflation eintraten. Die Stimmen dieser „Volksrecht-Partei“ fließen in diesem Jahr in den Zahlen der DDP-Wähler ein.

DVP: Deutsche Volkspartei

DNVP: Deutschnationale Volkspartei. 1933 erfolgte eine Umbenennung in „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“ (KFSWR).

DHP: Die „Deutsch-Hannoversche Partei“ ging im Wahlkreis Weser-Ems 1930 ein Bündnis mit der „Konservativen Volkspartei“ (KVP) ein, einer Absplitterung der DNVP, und firmierte als „DHP/KVP“. 1928 hatten DHP und CNBLP ein Wahlabkommen im Wahlkreis Weser-Ems geschlossen, so dass deren Stimmen in amtlichen Statistiken gemeinsam aufgeführt werden. In einigen Wahlunterlagen und in den Zeitungen sind diese jedoch getrennt ausgewiesen worden.

USPD: Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands

KPD: Kommunistische Partei Deutschlands. Zeitweilige Umbenennungen, wie etwa „Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands“ nach dem Zusammenschluss mit großen Teilen der USPD zu Beginn der Weimarer Republik, werden nicht eigens vermerkt.

VSB: Völkisch-Sozialer Block, eine von mehreren Bezeichnungen von Wahlbündnissen der verbotenen NSDAP 1924 mit diversen anderen völkischen Gruppen. Zur Dezemberwahl von 1924 änderte sich die Bezeichnung in Nationalsozialistische Freiheitsbewegung Großdeutschlands.   

NSDAP: Die NSDAP war nach dem Hitlerputsch von 1923 zunächst verboten. Ihre Anhänger gründeten Tarnorganisationen oder schlossen sich mit anderen völkischen Gruppen zusammen. Im Mai 1924 kandidierten diese im Wahlkreis Weser-Ems unter dem Namen „Völkisch-Sozialer Block“ (VSB), im Dezember 1924 als „Deutschvölkische Freiheitspartei Großdeutschlands“. Ab 1925 ist mit der Legalisierung der NSDAP diese wieder unter ihrem Namen angetreten.

CSVG: Die Christlich-Soziale Volksgemeinschaft trat nur 1924 unter diesem Namen auf. Vorläufer in der Region war die „Christlich-Soziale Volkspartei“, die zur Reichstagswahl von 1920 in Lingen gegründet wurde und nur im Emsland existierte. Die CSVG ging in die linkskatholische „Christlich-Soziale Reichspartei“ (CSRP) über, die 1928 zur Reichstagswahl antrat. 1930 kandidierte erneut eine CSVG. Die protestantisch geprägte Splitterpartei, die ein Wahlbündnis mit der DVP eingegangen war, hatte mit der linkskatholischen Partei der Heuerleute und christlichen Gewerkschafter von 1924 nichts gemein, bekam aber noch etliche Stimmen in der Region, da man sich über die Ausrichtung dieser neuen Gruppierung wohl nicht überall klar war und sie mit der Partei von 1924 verwechselte.

10  CSRP: Christlich-Soziale Reichspartei, eine linkskatholische Partei, der sich die „Christlich-Soziale Volksgemeinschaft“ anschloss. Anfang der 1930er Jahre nannte sich die Partei in „Kampfgemeinschaft der Arbeiter und Bauern“ um und geriet in das Schlepptau der KPD. Sie verlor aber fast alle Wähler, hauptsächlich katholische Arbeiter.

11  CSVD: Christlich-Sozialer Volksdienst, eine streng protestantische Partei.

12  CNBLP: Die „Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei“ benannte sich zur Wahl von 1930 in „Deutsches Landvolk (Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei)“ (DL) um.

13  DL: Deutsches Landvolk, 1930 vorgenommene Umbenennung der „Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei“

14  WP: Reichspartei des deutschen Mittelstandes, landläufig kurz Wirtschaftspartei genannt.

15  Volksrecht: Die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung, kurz Volksrechtpartei, trat vor allem für die Verlierer der Inflation ein und schloss häufig Wahlbündnisse mit anderen kleineren Parteien. Sie gewann etliche Landtags- und einige Reichstagsmandate.

16  Deutschsoz.: Die Deutschsoziale Partei Richard Kunzes zählte zum rechtsradikal-völkischen Spektrum und errang etliche parlamentarische Mandate. Allerdings wanderten Wähler und Mitglieder zunehmend zur NSDAP ab.

17  DBP: Deutsche Bauernpartei, von Teilen der „Deutschen Bauernschaft“, einer demokratisch ausgerichteten Organisation von Klein- und Mittelbauernverbänden, 1928 ins Leben gerufene agrarische Interessenvertretung. Der Verband Christlicher Heuerleute war Mitglied der „Deutschen Bauerschaft“, unterstützte aber diese Parteigründung nicht.

Quellen: 

Die Ergebnisse der Kreise und größeren Orte stammen aus der Statistik des Deutschen Reiches (StDR), wobei unter den Angaben für den Wahlkreis Weser-Ems die Kreiswahlergebnisse und die Resultate der Hauptorte zu finden sind. Weitere Quellen sind die Wahlberichte der örtlichen und regionalen Presse sowie folgende Aktenbestände des Niedersächsischen Staatsarchivs Osnabrück:

 

1919:

Grafschaft Bentheim: StAOS Rep 450 Bent I L.A. Bentheim Nr. 40.

 

1920:

Grafschaft Bentheim: StAOS Rep 450 Bent L.A. Bentheim I Nr. 37.

 

1924:

Grafschaft Bentheim: StAOS Rep 450 Bent I L.A. Bentheim Nr. 38 und Nr. 39.

Anmerkung: 

Soweit möglich, wurden die hier abgedruckten Wahlresultaten aus amtlichen Unterlagen wie den Statistischen Bänden des Deutschen Reiches (StDR) sowie amtlichen Wahlakten zumeist aus dem Niedersächsischen Staatsarchiv Osnabrück zusammengestellt. Leider sind für zahlreiche Wahlen diese Unterlagen nicht vorhanden oder nicht ausreichend, so dass vielfach Zeitungen weiterhelfen mussten. Nicht selten waren verschiedene Quellen zu kombinieren, weil vor Ort erfolgreiche Parteien auf Reichsebene nicht ausgewiesen waren, es sich also um nur regional antretende Gruppierungen oder auf Reichsebene insgesamt wenig erfolgreiche Parteien handelte, oder Aktenbestände zu bestimmten Urnengängen nicht oder nur unvollständig erhalten waren. Da allerdings etliche Zeitungsjahrgänge oder sogar komplette Zeitungen nicht erhalten sind, blieben trotz der Konsultation vieler verschiedener Presseorgane gelegentlich Lücken in der Dokumentation von Wahlresultaten.

Die Berechnung der Prozentzahlen erfolgt hier stets nach den abgegebenen gültigen Stimmen, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Vor allen bei den Ortsergebnissen, z.T. aber auch bei den Resultaten der Kreise, sind die Zahlen für die ungültigen Stimmen häufig - auf Ortsebene regelmäßig - ebenso wie die der Wahlberechtigten nicht bekannt. Nicht selten wurden auch aus Platzgründen in den Zeitungen, vielfach die Hauptquelle, die Voten für Splitterparteien nicht oder aber lediglich für einige ausgewählte Parteien angegeben. Die Zahlen sind zudem nicht immer in sich stimmig, da es zu Fehlern beim Abdruck in den Zeitungen oder auch in amtlichen Unterlagen (Hör- oder Schreibfehler, z.T. auch kaum leserliche oder verschmierte Zahlen). Daher können bei aller Sorgfalt die tatsächlichen Resultate leicht von den hier angegebenen Werten abweichen.

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