Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Wie Georgsdorf zu seinem Namen kam

Seit 1813 gehörte die Grafschaft Bentheim zum Königreich Hannover. Den meisten Menschen wird es ziemlich egal gewesen sein, wessen Untertanen sie waren. Der König war schließlich weit weg.

Doch als 50 Jahre später der damalige König Georg V. die Stadt Neuenhaus besuchte, war das doch ein großes Ereignis. Einen leibhaftigen König sah man nicht alle Tage.

Es wird berichtet, dass Neuenhaus "wohl noch nie so voll freudig bewegter Menschen gewesen sei. ... Der Jubel, mit welchem der König in Neuenhaus empfangen wurde, war kein gemachter, sondern kam von Herzen und zeugte von unbegrenzter Liebe und Anhänglichkeit der Hannoveraner an ihr angestammtes Königshaus."

In der Stadt waren 15 Ehrenbögen aufgestellt worden, die man in tagelanger Arbeit errichtet hatte. Die Schützengesellschaft Neuenhaus-Veldhausen ließ 80 uniformierte Männer antreten, die den König am Nordhorner Tor empfingen. Sie bildeten ein Spalier und übernahmen die Ehrenwache.

König Georg war blind. Das erweckte allgemeines Mitleid. In dem Bericht heißt es weiter: "Durch die Leutseligkeit, mit welcher er die Geistlichen beider Konfessionen und die Abordnungen der Gemeinden empfing ..., wurde die Sympathie für das hannoversche Königshaus unauslöschlich besiegelt".

Die Gemeinde Piccardie bekam ein beträchtliches Geldgeschenk zur Errichtung einer Kirche und einer Predigerwohnung. Sie nannte sich danach Georgsdorf.

Nur die Schützengesellschaft Neuenhaus-Veldhausen wurde durch den Besuch nicht recht glücklich. Sie hatte sich eine kostbare Fahne in den hannoverschen Landesfarben angeschafft. Doch drei Jahre später verschwand das Königreich Hannover von der Bildfläche. Im "Deutschen Krieg", in dem sich Preußen schließlich gegen Österreich durchsetzte, stand Hannover auf der Seite Österreichs und musste nach der Schlacht bei Langensalza im Juni 1866 kapitulieren. Es wurde als Provinz Hannover Teil des Königreichs Preußen.

Die Neuenhauser Schützen durften nun ihre Fahne nicht mehr offiziell tragen. Sie wurde zum Andenken im Schützensaal aufgestellt. Es heißt, das große Schützenfest habe seit dieser Zeit viel von seinem früheren Glanze verloren und sei allmählich eingeschlafen.

Dieser Wappenstein am ehemaligen Hülfsamt und späteren Amtsgericht in Neuenhaus erinnert an König Georg V. - Bild: GG

Quelle: G. Hehenkamp, Jugenderinnerungen eines Grafschafters, Neuenhaus 1981 (2. Auflage), S. 74-75.

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