Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Die Grafschaft Bentheim und die Französische Revolution

Die Zeit zwischen 1795 und 1815 wird in der Grafschaft Bentheim gemeinhin die "Franzosenzeit" genannt. Die Einschätzung dieser Zeit in älteren Veröffentlichungen ist wenig positiv. „In Neuenhaus rückten die ersten Franzosen unter dem General Reynier am 24. Februar 1795 ein. Als die letzten im Winter 1813/14 unsere Grafschaft verließen, war der Wohlstand ruiniert“, schrieb die Neuenhauser „Zeitung und Anzeigenblatt – Kreisblatt für die Grafschaft Bentheim“ im April 1913 dazu. Mit Erinnerungen an die "Franzosenzeit" wurde noch 100 Jahre später Stimmung gegen den "Erbfeind" Frankreich gemacht.

Alles begann mit der Revolution in Frankreich. Die Vertreter des Dritten Standes, zu dem die überwiegende Mehrheit der vom Adel ausgeplünderten französischen Bevölkerung gehörte, erklärten sich 1789 zur Nationalversammlung. Sie beschloss eine Erklärung der Menschenrechte und entmachtete den König Ludwig XVI. Dies rief die adligen Machthaber der anderen europäischen Länder auf den Plan.

Ludwig XVI. war verheiratet mit Marie Antoinette, der Schwester des österreichischen Kaisers Leopold II. Marie Antoinette wandte sich an ihren Bruder mit der Bitte, der Revolution entgegen zu treten. Im Juni 1791 floh die königliche Familie aus dem bewachten Pariser Stadtschloss. Ludwig wollte die Österreichischen Niederlande erreichen, das heutige Belgien, um von dort die Restauration seiner Herrschaft zu betreiben. Kurz vor der belgischen Grenze wurde er jedoch gestoppt und nach Paris zurückgebracht.

Kaiser Leopold II. und der preußische König Friedrich Wilhelm II. verabredeten unterdessen, militärisch einzugreifen. Offenbar in der Erwartung, seine eigenen französischen Truppen hätten den Österreichern und Preußen wenig entgegenzusetzen und nach der Niederlage könne die Revolution wieder zurückgedrängt werden, erklärte Ludwig XVI. im April 1792 den Krieg gegen Österreich, dem sofort die preußische Kriegserklärung gegen Frankreich folgte.

Oberbefehlshaber der preußisch-österreichischen Truppen war Carl Ferdinand von Braunschweig, der Schwager des englischen Königs Georg III. Dieser wiederum war auch Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg, dem späteren Königreich Hannover und zu der Zeit auch Herr über die Grafschaft Bentheim.

Anfang August 1792 wurde in Paris eine Erklärung Carl Ferdinands bekannt. Danach sollte der französische König aus der Gefangenschaft befreit und in seine alten Rechte wieder eingesetzt werden, den verantwortlichen Revolutionären in Paris drohte man mit der Todesstrafe. Nach heftigen Unruhen beschloss daraufhin die Nationalversammlung die Absetzung des Königs.

Am 20. September 1792 kam es zu einem Artillerieduell zwischen französischen Revolutionstruppen und den Truppen der anderen europäischen Mächte bei dem kleinen Ort Valmy. Die Franzosen behielten die Oberhand und der deutsche Dichter J. W. Goethe, der an dem Feldzug teilgenommen hatte, schrieb: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen." Durch diesen militärischen Erfolg war die äußere Bedrohung für die Revolution zunächst gerettet.

Als man in einem Geheimschrank belastende Korrespondenz Ludwigs XVI. mit Emigranten und revolutionsfeindlichen Fürsten entdeckte, klagte man den König wegen Hochverrats an.

Das Urteil, das der Nationalkonvent mit einer Stimmenmehrheit von 361 zu 360 fällte, lautete auf Tod durch die Guillotine. Am 21. Januar 1793 wurde Ludwig hingerichtet, Marie Antoinette erlitt einige Monate später das gleiche Schicksal. Am englischen Hof legte man auf diese Nachricht hin Trauerkleidung an, der französische Gesandte wurde ausgewiesen.

Premierminister Pitt organisierte eine Koalition europäischer Mächte gegen das republikanische Frankreich. Die Niederlande wahrten Neutralität, waren aber wichtige Geldgeber für Großbritannien. Durch die enge Anlehnung an England wurden die Niederlande in den Krieg hinein gezogen.

Am 26. Juni 1794 kam es zu einer Schlacht beim belgischen Ort Fleurus. Die zahlenmäßig überlegenen französischen Revolutionstruppen besiegten ein Heer der Koalitionsmächte. Im Winter 1794/95 marschierten französische Truppen in die Vereinigten Niederlande und nahmen Amsterdam ein.

Die Niederlande, eigentlich eine Republik bereits seit 1581, wurden zu der Zeit von einer kaufmännisch orientierten Aristokratie und dem Haus Oranien geführt. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts traten dort zunehmend so genannte Patrioten auf, die sich für die Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution begeisterten.

Noch vor dem Ende der Kämpfe riefen Anhänger der Patrioten in den Niederlanden die „Batavische Republik“ aus. Im Mai schlossen Frankreich und diese neue Republik einen Friedensvertrag, der den Franzosen unter anderem erlaubte, auf niederländischem Gebiet eine Armee von 30.000 Mann zu stationieren, die sich durch Kontributionen finanzierte.

Teile dieser Armee kamen im Februar 1795 auch in die Grafschaft. Sie verfolgten Angehörige des entmachteten französischen Adels, die man Emigranten nannte.

In der "Kanonade von Valmy" (1792) siegten französische Revolutionstruppen die Truppen der anderen europäischen Mächte - Stich um 1792, Bibliotheque Nationale in Paris

Quellen:

 

- Lage - Geschichte und Geschichten, herausgegeben von den Dorf-, Burg und Mühlenfreunden Lage e.V., Lage 2008

- Heinrich Voort, Von der freien Reichsgrafschaft zur hannoverschen Pfandherrschaft, in: Die Grafschaft Bentheim - Geschichte und Gegenwart eines Landkreises, Bad Bentheim 2010

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