Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Pestzeiten

Mitten im Dreißigjährigen Krieg wütete in Nordhorn die Pest. Der Geschichtsschreiber Sutoris berichtet, dass in den Jahren 1635 und 1636 „fast an de dusent Menschen, jung und alt, allhir an der Pesten gestorven sind.“ Jeder dritte Bewohner Nordhorn erlag damals dieser Seuche. Die Vögel hätten schließlich die Dächer der Kirchen gemieden, weil sie vom Läuten der Totenglocken immer wieder aufgeschreckt wurden.

Man hatte keine Erklärung für den Ausbruch der Krankheit. Man wusste damals nicht, dass die Pest durch ein kleines Bakterium verursacht wurde, das von Flöhen auf Ratten und Menschen übersprang. Immer wieder erkrankten Menschen an dieser tückischen Krankheit, nachdem sie sich 1347 erstmals von Sizilien aus in Europa verbreitet hatte. Besonders betroffen waren die ärmeren Bevölkerungsschichten, deren Wohn- und Lebensverhältnisse durch mangelhafte hygienische Bedingungen gekennzeichnet war.

Erklärungsversuche gab es viele: Man sah in der Pest eine Strafe Gottes oder die Folge verdorbener Winde. Manche machten Ausländer, Krüppel, Bettler, Zigeuner, Hexenmeister oder die Juden verantwortlich. In Paris zündeten Ärzte im Kampf gegen die Seuche einmal sogar riesige Feuer an, in denen sie Weihrauch und Kamille verbrannten.

Es ist nicht bekannt, ob die Pest schon in den Jahrhunderten vor dem 30jährigen Krieg auch in der Grafschaft wütete. Merkwürdige Ritzen und Rillen an den alten Kirchen in Nordhorn, Uelsen und Veldhausen zeugen von den verzweifelten Versuchen der Menschen, etwas gegen die Krankheit zu unternehmen. Sie kratzten Steinstaub von den Mauern ab, den sie mit Wasser vermischten und tranken. Die Kratzspuren nennt man "Pestschaben" oder "Pestrillen".

Auch nach dem Ende des 30jährigen Krieg kam es zu Ausbrüchen der Seuche. 1664 forderte sie in Neuenhaus in dreieinhalb Monaten das Leben von 72 Menschen. Und damit nicht genug: 13 Jahre später wurden 70 Häuser der Stadt durch einen Großbrand zerstört.

Pestschaben an der reformierten Kirche von Veldhausen - Bild: GG

Pestschaben an der reformierten Kirche von Uelsen - Bild: GG

Quellen:

Ludwig Sager, Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte, o.J.
Heinrich Specht, Nordhorn - Geschichte einer Grenzstadt, Nordhorn 1934

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