Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Die Kirche in Lage wurde 1687 errichtet - Bild: Digitales Archiv Lage

Die Kirche zu Lage und das Patronat des Hauses Twickel

Am 11. Juni 1687 legte Amadea von Flodroff, Witwe des Adolf Hendrik van Raesfelt, „den eersten steen“ zum Bau einer Kirche in Lage. Sie wurde als Saalkirche aus Ziegelsteinen erstellt, Tür- und Fensterrahmen bestehen aus Bentheimer Sandstein. Die Inschrift über dem Westeingang erinnert an die Grundsteinlegung. Darüber sieht man ein Antoniterkreuz. Über dem Südeingang findet man ein Wappen mit Symbolen der Familien van Raesfelt und Flodroff sowie eine lateinische Inschrift:

Zum Ruhme der allerheiligsten Dreifaltigkeit und zur Verbreitung des göttlichen Wortes hat Amadea, geborene Gräfin von Flodroff, Witwe des Adolf Hendrik Baron von Raesfelt, Herr in Lage und Twickel, während seines Lebens Drost der Twente, dieses Haus gegründet und aus eigenen Mitteln erbauen lassen. Im Jahr des Herrn Christus 1687. 3. Juni.

Nach einer Bauzeit von16 Monaten hielt Pastor Paulus Putmann aus Delden im Oktober 1688 den Eröffnungsgottesdienst. Die Baukosten betrugen 5440 Gulden.

Amadea von Flodroff traf Festlegungen über die Finanzierung des Pastorengehalts, des Unterhalts der Kirche und des Gehalts für einen Küster und Organisten, der gleichzeitig als Lehrer des Dorfes fungieren sollte. Sie gründete einen Kirchenfonds, zu dem sie 1000 Gulden beisteuerte. In einer „Acte van quitantie“ bestätigt sie, „dat de ingezetenen des Herlicheijts Lage heben opgebracht en aan mijn handen geteld de somme van twee Duisend“ Gulden.

Lage bestand damals nur aus 44 Haushalten. Es heißt, die Bewohner hätten nur 500 Gulden erübrigen, die restlichen 1500 Gulden jedoch gegen 5 Prozent Zinsen leihen müssen. 15 Jahre lang sollte das Haus Twickel für Reparaturen an der neuen Kirche aufkommen, danach sollten diese aus den Erträgen eines Kapitals von anfangs 1000 Gulden bestritten werden.

Die Kirche von Lage hat seit den Tagen Amadeas mehrere Renovierungen erlebt. 1855/56 erhielt sie ein neues, flacheres Dach und einen neuen Dachreiter. Das alte Uhrwerk von 1688 wurde renoviert, die Kanzel versetzt, eine neue Orgel und neue Kirchenbänke eingebaut.

Kirche zu Lage mit Kanzel, Herrenbank, Lettner und Lesepult im Jahr 1953 - Bild: Jan Ringena

Im Zuge der Renovierungsarbeiten des Jahres 1977 entfernte man das alte Herrengestühl, ebenso ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Chorgitter. Die Grabplatten ehemaliger Rentmeister und ihrer Familienangehörigen wurden entfernt und sind seitdem außerhalb der Kirche der Witterung ausgesetzt. Die alten Kirchenbänke von 1856 tauschte man aus. Die „Herrenbank“ befindet sich inzwischen in der Alten Blasiuskirche zu Delden. Durch erneute Renovierungsarbeiten im Jahr 2003 versuchte man, die Kirche äußerlich wieder in den Stand von 1856 zu versetzen.

In der Kirche befindet sich ein Wappenschild aus dem Jahr 1856 zum Andenken an die Geburt des Barons C. G. W. van Heeckeren van Wassenaer. Eine der Votivtafeln erinnert an Marie Cornélie van Wassenaer, die im März 1850 starb. Sie enthält das Gedicht „Ween, Lage! Ween, ja ween met Delden“ und stammt von dem Wilsumer Pastor Visch, der die bekannte „Geschiedenis van het Graafschap Bentheim“ hinterlassen hat.

Ferner findet man eine Tafel zum Gedächtnis an Adriana Sophia van Raesfelt, der Tochter Amadeas, eine weitere mit den zehn Geboten, gestiftet von Lucas Groll, dem Sohn des Rentmeisters Albert Groll, sowie eine Tafel mit den 12 Glaubensartikeln, gestiftet von Jan Meylinck aus dem Jahr 1691.

Im heutigen Dorf Lage, das seit 1815 zur Grafschaft Bentheim gehört, leben etwa 1000 Einwohner. Bis zum Jahr 1806 übten hier die Damen und Herren auf Schloss Twickel die uneingeschränkte Grundherrschaft aus. Lage war ein eigenes staatliches Gebilde, das damals weder zur Grafschaft Bentheim noch zur Provinz Overijsssel gehörte. Das Dorf umfasst heute eine Fläche von 640 ha, davon gehören noch immer etwa 40 Prozent der Stichting Twickel, auf die der Grundbesitz des Hauses Twickel übergegangen ist.

Zu Zeiten Amadeas war der Grundherr Patron der von ihm gestifteten Kirche. Er übte die alleinige Oberaufsicht in kirchlichen Dingen aus und sorgte für den Unterhalt des Gebäudes, der Besoldung der Pfarrer und anderer Amtsträger. Dem Patron und seiner Familie stand das Recht auf einen besonderen Sitzplatz in der Kirche und die Erwähnung im Gebet zu.

Die Zahlungen für Pastoren und Lehrer sowie für den Unterhalt der Kirche zu Lage hat das Haus Twickel bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vollständig allein geleistet. Noch 1904 diente die Verpachtung zweier Höfe im Amt Delden der Finanzierung der Predigerstelle in Lage. 1954 schloss die damalige Herrin von Twickel mit dem Kirchenrat eine Übereinkunft, nach der sie 1356 DM jährlich zum Gehalt des Predigers beitrug.

Ursprünglich wurden die Pastoren ausschließlich vom Grundherrn eingesetzt. Später wurde daraus ein Mitspracherecht. Als der Vikar Ringena 1952 die Pfarrstelle in Lage übernahm, fuhr er unverzüglich mit dem Fahrrad zum Schloss Twickel, um sich bei der Baroness van Heeckeren van Wassenaer vorzustellen.

Die Kirche zu Lage war immer ein reformiertes Gotteshaus. In der Gründungsurkunde von 1687 forderte Amadea ihre Nachkommen auf, die Gemeinde sowie die Lehre und das Leben der Pfarrer im Auge zu behalten, damit in Lage das reformierte Bekenntnis unangefochten von „antichristlichen“ Erscheinungen gelehrt werde. Ihr Schwiegersohn, Jacob van Wassenaer Obdam, ordnete 1713 an, dass Kinder aus konfessionsverschiedenen Ehen „in der reformierten Religion erzogen werden sollen“. Wer sich nicht daran hielt, sollte „in Onse Herrlychheyt niet Sullen getolereert werden.“

Als Lage nach dem Wiener Kongress 1814/15 zum Königreich Hannover geschlagen wurde, erloschen viele Rechte der bisherigen Landesherren. 1821 ernannte erstmals nicht mehr der Herr auf Schloss Twickel, sondern das Ministerium in Hannover einen neuen Pastor. Dennoch war der Einfluss Twickels weiterhin beträchtlich, denn der Pastor Sluyter fungierte in den folgenden Jahren mehrfach als „Onderrentmeester“.

Das Patronat des Hauses Twickel bestand bis 1978. Ihren vermutlich letzten Besuch in Lage absolvierte die letzte Herrin von Lage, Baroness Marie Amalie van Heeckeren van Wassenaer, anlässlich der Amtseinführung des Pastors Lange im Jahr 1973. Drei Jahre nach ihrem Tode wurde das Patronat einvernehmlich aufgelöst.

Quelle: 

Lage - Geschichte und Geschichten, herausgegeben vom Dorf-, Burg- und Mühlenfreunden Lage e. V., Lage 2008

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