Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Pestzeiten

Mitten im Dreißigjährigen Krieg, in den Jahren 1635 und 1636, wütete in Nordhorn die Pest. Der Geschichtsschreiber Sutoris berichtet, dass „fast an de dusent Menschen, jung und alt, allhir an der Pesten gestorven sind.“ Jeder dritte Bewohner Nordhorn erlag damals dieser Seuche. Die Vögel mieden schließlich die Dächer der Kirchen, vertrieben vom ständigen Läuten der Totenglocken. 

Pestschaben an der reformierten Kirche von Veldhausen - Bild: GBiU

Man hatte keine Erklärung für das massenhafte Ausbrechen der Krankheit. Man wusste nicht, dass die Pest durch ein kleines Bakterium verursacht wurde, das von Flöhen auf Ratten und Menschen übersprang. Immer wieder brach die Pest aus, nachdem sie sich 1347 erstmals von Sizilien aus in Europa verbreitet hatte. Man schätzt, dass die erste Pestwelle bis 1352 etwa 25 Millionen Opfer forderte, das entsprach etwa einem Drittel der Gesamtbevölkerung. Besonders betroffen waren die armen Bevölkerungsschichten, nicht zuletzt wegen der mangelhaften hygienischen Bedingungen. 

Man sah in der Pest eine Strafe Gottes oder die Folge verdorbener Winde. Manche machten Ausländer, Krüppel, Bettler, Zigeuner, Hexenmeister oder die Juden verantwortlich. Im Jahr 1348 zündeten Ärzte in Paris gegen die Pest riesige Feuer an, in denen sie Weihrauch und Kamille verbrannten. 

Pestschaben an der reformierten Kirche von Uelsen - Bild: GBiU

Es ist nicht bekannt, jedoch sehr wahrscheinlich, dass die Pest schon in den Jahrhunderten vor dem 30jährigen Krieg auch in der Grafschaft wütete. Merkwürdige Ritzen und Rillen an den alten Kirchen in Nordhorn, Uelsen und Veldhausen zeugen von den verzweifelten Versuchen der Menschen, etwas gegen die Krankheit zu unternehmen. Sie kratzten Steinstaub von den Mauern der Kirchen. Mit Wasser vermischt tranken sie diesen Staub. Die Kratzspuren nennt man "Pestschaben" oder "Pestrillen".  

Auch nach dem 30jährigen Krieg kam es immer wieder zu Ausbrüchen der Seuche. 1664 forderte die Pest in Neuenhaus viele Opfer. In dreieinhalb Monaten starben 72 Menschen, viele flüchteten. Und damit nicht genug: 1677 wurden 70 Häuser der Stadt durch einen Großbrand zerstört.

Quellen: 

Ludwig Sager, Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte, o.J.

Heinrich Specht, Nordhorn - Geschichte einer Grenzstadt, Nordhorn 1934

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