Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

1544 - Die Grafschaft Bentheim wird lutherisch

Noch vor 500 Jahren waren alle Menschen in der Grafschaft Bentheim katholisch. Doch dann kam es zur Spaltung der Kirche, die sich auch in der abgelegenen Grafschaft auswirkte. 

1517 schlug Martin Luther an die Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen an, in denen er an der Praxis und der Lehre der katholischen Kirche eindeutige Kritik übte. Er weigerte sich vor dem Reichstag in Worms, seine Thesen zu widerrufen. Seine Lehre fand immer mehr Anhänger, die sich "Lutheraner" nannten. Auch einige Grafschafter Pastoren wie zum Beispiel der Uelser Pastor Hasenhart  und der Bentheimer Hofprediger Johann van Loen waren eifrige Verfechter der neuen Lehre.

Pastor Bernd Krechting aus Gildehaus und einige Arbeiter aus den Steinbrüchen zogen nach Münster und schlossen sich dort den Wiedertäufern an. Diese führten die Gütergemeinschaft und die Vielehe ein. 

Pastor Krechting war einer der Räte in der Hofordnung des "Königs" Jan van Leiden. Sein Bruder Heinrich brachte es gar zum Kanzler. Doch die Wiedertäufer hielten sich nicht lange. Sie wurden von Truppen des Bischofs Franz von Waldeck aus Münster verjagt, ihre Anführer gefangen genommen, grausam gefoltert und hingerichtet. Die Leichen von Jan van Leiden, Bernd Knipperdolling und Bernd Krechting wurden im Januar 1536 in eisernen Körben an der Lambertikirche aufgehängt.

Bernd Krechting

Die Auseinandersetzungen um die richtige Religion gingen einher mit sozialen Unruhen. In Ringer Weusten hielt sich der Wiedertäufer Jan Kuiper auf, der aus Münster geflohen war. Er schickte einige Anhänger nach Zwolle, Deventer und Gelderland, die dort die Lehren der Wiedertäufer verbreiten sollten. Zwei von ihnen wurden gefangen genommen und in Deventer gehängt. 

In der Niedergrafschaft lehnten sich Bauern, die sich die "frommen Kinder van Emmelenkamp" nannten, gegen die niederländischen Grundherren der Gegend auf. Sie schnitten Kühen die Hälse ab und zündeten Kornspeicher an. Es soll auch zu Bluttaten gekommen sein.

Der Bentheimer Graf Arnold I. lehnte die Lehren Luthers zunächst ab. Als einer der größten Landbesitzer der Gegend hatte er jedoch soziale Unruhen besonders zu fürchten. Um ihnen entgegen zu wirken und unter dem Einfluss seiner Frau und seines Vetters Konrad von Tecklenburg rief er 1544 alle Prediger der Grafschaft nach Bentheim. Die Versammlung beschloss schließlich "die Abschaffung der päpstlichen Religion, der Messopfer, Prozessionen, Anrufung der Heiligen usw." und bekannte sich zur Augsburger Konfession. In dieser Erklärung hatten sich 1530 eine Reihe deutscher Fürsten zu den Lehren Luthers bekannt.

Martin Luther

In den alten Kirchen wurden nun Gottesdienste nach dem Ritus der Lutheraner gefeiert. Die Gemeinden Engden und Drievorden, einige adlige Familien und die Klöster Frenswegen und Wietmarschen blieben weiter katholisch. Vorläufig ließ man in allen Kirchen die Hochaltäre und den Kirchenschmuck unverändert. Das sollte sich erst 44 Jahre später ändern.

Quelle:

Das Bentheimer Land, Heimatkunde eines Grenzkreises, hrsg. von Heinrich Specht, Nordhorn 1934

Gerrit Jan Beuker, Vortrag vor dem Verein für Geschichte und Gegenwartsfragen der Brüdergemeine am 1. Oktober 2004 in Neugnadenfeld

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