Die Tubanten

von Alois Brei

Der römische Kaiser Hadrian ließ etwa um 120 n. Chr. im Norden Großbritanniens ein Befestigungssystem bauen, das nahe der heutigen Grenze zwischen England und Schottland verläuft. Dieser "Hadrianswall" schützte römisch besetztes Gebiet vor den unruhigen Stämmen im Norden. Der Wall, dessen Reste noch heute zu sehen sind, bestand aus Kastellen und Türmen, die durch eine massive Mauer verbunden waren.

Der Hadrianswall in der Nähe von Housestead - Bild: Michael Hanselmann (CC-Lizenz)

An zwei Altarsteinen, die in der Nähe des heutigen Ortes Housesteads gefunden wurden, werden "cives tuihanti" genannt. Diese "Untertanen aus Tuihantum" dienten den Römern als Teil einer friesischen Reitertruppe etwa um das Jahr 220 n. Chr. Diese "tuihanti" gehörten wahrscheinlich dem germanischen Stamm der Tubanten an.

Die Tubanten, auch Tubanti genannt, lebten einst im Osten der Niederlande und in den deutschen Landkreisen Borken, Gronau, Steinfurt und Grafschaft Bentheim.

Der römische Schriftsteller Tacitus erwähnt die "Tubanti" schon in einem Bericht über einen Feldzug des Germanicus im Jahre 14 n. Chr. Sie seien gemeinsam mit den Usipetern und den Brukterern den von römischen Truppen bedrängten Marsern zu Hilfe gekommen. Als es im Jahr 308 n. Chr. erneut eine Konfrontation römischer Truppen mit den Brukterern gab, waren daran außer anderen germanischen Stämmen auch die Tubanten beteiligt.

In der Zeit der Völkerwanderung (etwa ab 400 n. Chr.) sollen sich die Tubanten mit Sachsen und Franken vermischt haben. Der Begriff "Twente" geht wahrscheinlich auf die Tubanten zurück.
An der Südwestseite der Burg Bentheim steht ein Sandsteinfelsen, der Drususfelsen oder auch das Teufelsohrkissen genannt wird. An diesem Felsen ist eine lateinische Inschrift eingraviert: HIC DRUSUS DIXIT IURA TUBANTIBUS. Zu deutsch: Hier sprach Drusus den Tubanten Recht. Dieser Text wurde vermutlich um 1715 in den Stein gehauen. Dass Drusus, der Schwiegersohn des Kaisers Augustus, auf seinen Kriegszügen durch Germanien tatsächlich bis in Bentheimer Territorium vordrang, ist allerdings nicht belegt.

Germanische Stämme im Umkreis der heutigen Grafschaft etwa 100 n. Chr.


Quellen:
Walter Rosien, Politische und territoriale Entwicklung, in: Der Landkreis Grafschaft Bentheim, Bremen-Horn, 1953
Tubanten, Wikipedia - die freie Enzyklopädie, http://de.wikipedia.org/wiki/Tubanten, 28. 6. 09
Hadrianswall, Wikipedia - die freie Enzyklopädie, http://de.wikipedia.org/wiki/Hadrianswall, 28. 6.09

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