Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Großsteingräber

Die ältesten von Menschen errichteten Bauwerke in Norddeutschland sind die Großsteingräber. Nach den griechischen Wörtern für "groß" (mega) und "Stein" (lithos) werden sie auch Megalithgräber genannt. Das größte Steingrab Norddeutschlands, der "Visbecker Bräutigam", liegt in der Nähe von Wildeshausen und besteht aus 130 Steinen. Es ist 104 Meter lang und 9 Meter breit. 

In Mander, in der Nähe des Grenzübergangs bei Getelo, findet man ein noch gut erhaltenes Großsteingrab - Bild: AB

Diese Steingräber entstanden vor etwa 5500 bis 4700 Jahren, also 3500 bis 2700 v. Chr. in der so genannten Jungsteinzeit. Sie sind damit älter als die Pyramiden. Lange rätselte man, was es mit diesen Steinansammlungen auf sich haben könnte: Sie galten als "Hünenbetten" oder "Hünengräber", als Reste von Spielbällen übermütiger Riesen, als versteinerte Schafherden oder Opfertische heidnischer Priester.

Heute wissen wir, dass in diesen Steinanlagen Menschen bestattet oder vielmehr "beigesetzt" wurden, denn die Toten fanden damals ihre letzte Ruhe zumeist in hockender Stellung. Sie waren in Norddeutschland, im heutigen Dänemark und Schweden, im Westen Großbritanniens, in Frankreich und im Westen der iberischen Halbinsel verbreitet. Weil man in den Gräbern häufig Tongefäße mit einer trichterförmige Öffnung fand, rechnet man die damaligen Bewohner dieser Gegenden der "Trichterbecherkultur" zu.

Es waren sesshafte Bauern, die Viehzucht betrieben und Getreide anbauten. Während die Lebenden in einfachen Hütten aus Holz und Lehm hausten, errichteten sie für die Toten Heimstätten für die Ewigkeit. Sie gaben ihnen Waffen, Schmuck und Lebensmittel mit ins Grab. Man kann daher vermuten, dass diese Menschen an ein Leben nach dem Tode glaubten.

Auch in der Grafschaft Bentheim hat es Großsteingräber gegeben. Es ist allerdings kein einziges mehr erhalten. In früheren Zeiten wurden die Steine zerschlagen oder gesprengt, man benutzte sie als Baumaterial oder verkaufte sie nach Friesland, wo es wenig Steine gab. Altertumsforscher gruben die Grabbeigaben aus, gaben sie weiter oder verwahrten sie wenig sachgerecht. Die Ergebnisse ihrer Grabungen sind nicht mehr bekannt.

Die Ausgrabungen an der Straße nach Getelo 1955 (Bild: Bentheimer Jahrbuch 1956 S. 89)

Im April 1955 fand die Archäologin Elisabeth Schlicht östlich der Straße Uelsen - Getelo Spuren eines zerstörten Steingrabs. Die Untersuchung ergab, dass hier es einmal 13,5 Meter lang und 3,5 Meter breit gewesen sein musste. Vermutlich war die Grabkammer von 7 Decksteinen abgedeckt. Der Hügel, der die Grabkammer überdeckt hatte, war teilweise noch zu erkennen. Man fand Reste einer bronzenen Speerspitze, Bruchstücke von zwei Bernsteinperlen, ein Feuersteinbeil, einige Pfeilspitzen aus Feuerstein und Überreste von mehr als 100 Tongefäßen. 

Bild: Bentheimer Jahrbuch 1957 S. 18

Diese Tongefäße waren aus freier Hand, also ohne Töpferscheibe geformt. Sie entstanden aus Tonwülsten, die man übereinander legte. Die Wände wurden glatt gestrichen, die Gefäße anschließend im Feuer getrocknet. Nach dem Aushärten ritzte man mit feinen Sticheln aus Holz oder Knochen vielfältige Ziermuster ein.

Und wie entstanden diese Gräber? Wie schafften es die damaligen Menschen, die tonnenschweren Steine zu bewegen und eine Grabkammer zu formen? Man nimmt heute an, dass das etwa so vor sich ging:

Die Arbeiten dürften vorwiegend im Winter stattgefunden haben. Dann konnten Ochsengespanne auch schwere Steine über den gefrorenen Boden, die verschneiten oder vereisten Flächen ziehen. Die Tragsteine wurden in einer Reihe in Vertiefungen eingelassen und aufgerichtet (1). Anschließend verfüllte man den Raum zwischen den Tragsteinen (2) und schüttete aus Erde oder Schnee seitliche Rampen auf (3). Danach konnten die Ochsengespanne die Decksteine an ihre vorgesehenen Stellen ziehen. Vielleicht hat man dabei Rollen untergelegt (4).

Grafik: GBiU (nach J.H.F. Bloemers, Archeologische opgravingen in Nederland. 1981)

Schließlich bedeckte man die Grabkammer mit Erde (5), das Innere der Kammer wurde wieder freigelegt (6). Manchmal umgab man die Anlage auch noch mit einer Reihe von Randsteinen (7). Je nach Größe und Zahl der Bauleute brauchte man für die Errichtung eines Großsteingrabes nur wenige Wochen.

Quellen: 

- Elisabeth Schlicht, Steingräber in der Grafschaft, Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim 1956, S. 84 ff

- Elisabeth Schlicht, Die Untersuchung eines zerstörten Steingrabes bei Uelsen, Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim 1956, S. 15 ff

- Internetresource: http://www.steinzeitreise.de/gross-einleitung.php - 17. Juli 2009

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