Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Ein Haus in Quendorf

Vor einigen Jahren wurde die Autobahn A 30 gebaut. Dabei musste viel Erde bewegt werden, bevor die Straßen asphaltiert wurden und die ersten Autos fahren konnten. 

Im Zuge der Bauarbeiten stieß man in Quendorf zwischen der Bahnlinie und der Vechte auf die Spuren eines alten Siedlungsplatzes. Eigentlich fanden sich nur Verfärbungen im Boden und Scherben alter Tongefäße. Archäologen untersuchten den Platz. Alle Funde deuteten darauf hin, dass hier einmal ein Haus gestanden hatte.

Germanisches Haus in Quendorf, etwa 200 v. Chr.

Zeichnung: Manoun Fansa, Institut für Denkmalpflege Hannover

Das Gebäude war etwa 26 Meter lang, aber sehr schmal, nämlich nur 6,50 Meter. Es hatte drei Eingänge gehabt, zwei etwa in der Mitte der beiden Längsseiten, einen an einer Schmalseite. Aus der Untersuchung der Bodenschicht und einiger Keramikscherben ergab sich, dass es hier vor ungefähr 2200 Jahren errichtet worden war.

Der vordere, etwas längere Teil diente als Stall. 16 Boxen zählten die Forscher, 8 an jeder Seite. Jede Box war ungefähr 1,50 Meter lang und breit. Darin wurden Rinder, Kühe, Ziegen, Schafe und Schweine gehalten. Sicher gehörten zu einem solchen Bauernhof auch Hunde und Hühner.

Im hinteren Teil wohnten die Menschen. Hier befand sich eine offene Feuerstelle. Der Qualm zog durch das Dach ab. Auch eine große Steinplatte dürfte es gegeben haben, auf der das Korn zerrieben wurde. Es wurde dann mit Wasser vermischt und auf heißen Steinen zu Fladenbroten gebacken. Außer diesem Brot aßen die Menschen Fleisch, Erbsen, Bohnen, Linsen und sehr viel Obst, Beeren und Nüsse. Die Menschen stellten auch wohl schon Leinwand her, um ihre Bekleidung selbst anzufertigen. Lebensmittel wurden in Tonkrügen aufbewahrt.

Quelle: 

Mamoun Fansa, Siedlungsplatz aus der Zeit um Christi Geburt in Quendorf, Landkreis Grafschaft Bentheim, in: Bentheimer Jahrbuch 1987

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