Als Neanderthaler Mammuts jagten

von Alois Brei

Im Jahr 1999 fand man in einer Sandgrube an der A 30 bei Bad Bentheim-Gildehaus einen kleinen Feuersteinabschlag.

Die weitere Suche in diesem Gebiet brachte circa 100 bearbeitete Feuersteine und Reste von Tieren zum Vorschein, darunter die Rippe eines Mammuts und ein Bruchstück eines Rentiergeweihs. Sie hatten in einer Tiefe von ungefähr 15 Metern gelegen. Später wurde auch noch ein Schaber gefunden. Die Kiesgrube in Gildehaus ist damit die ergiebigste Fundstelle von Werkzeugen aus der mittleren Altsteinzeit (Mittelpaläolithikum) im westlichen Niedersachsen. So wird ein Zeitabschnitt bezeichnet, der vor ungefähr 300 000 Jahren begann und vor 40 000 Jahren endete.

Durch die Untersuchung der Reste von Tieren und Pflanzen konnte eine genauere zeitliche Einordnung vorgenommen werden. Diese Wesen hatten vor etwa 46 000 bis 38 000 Jahren gelebt. Im Laufe der Jahre wurden in der Sandgrube bei Gildehaus zahlreiche gut erhaltene, fossile Reste von Säugetieren, Vögeln, Amphibien und Fischen gefunden. Inzwischen konnten 51 Arten identifiziert werden, darunter Rentier, Mammut, Wolf, Polarfuchs, Schneehase, Desman, (einem inzwischen ausgestorbenen Maulwurf), Wildpferd, Riesenhirsch, Kiebitz, Seeadler und einige Entenarten.

Vor 45 000 Jahren zogen Mammuts durch die heutige Grafschaft - Bild: GG (Naturkundemuseum Münster)

Auch Torfreste wurden gesammelt. Ihre Untersuchung lässt Rückschlüsse auf die Pflanzenwelt zu. Die Landschaft bei Gildehaus war damals weitgehend frei von Bäumen und nur von verschiedenen Grasarten, Moosen, Zwergbirken und Zwergweiden bedeckt.

Die Funde von Werkzeugen aus Feuerstein lässt eindeutig auf die Anwesenheit von Menschen schließen. Zwar kann man an diesen Werkzeugen kein Alter ablesen, aber die Wissenschaft geht inzwischen von diesem Szenario aus:

In der Zeit vor ungefähr 45 000 Jahren jagten Neandertaler im Dinkeltal Rentiere und vielleicht sogar die gewaltigen Mammuts. Die Neandertaler waren eine Menschenart, die nach dem Neandertal bei Düsseldorf benannt ist und die vor ungefähr 30 000 Jahren vom Homo Sapiens verdrängt wurden. Sie lebten als Jäger und Sammler und zogen in kleinen Gruppen von 10 bis 15 Personen umher.

Damals war der Norden Europas den Bedingungen der vorläufig letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit, unterworfen. Die Gletscher drangen jedoch nur bis zum heutigen Schleswig-Holstein und nach Brandenburg vor. Während der Eiszeit gab es immer wieder Abschnitte mit etwas milderen Klimabedingungen. Die Sommer waren dann relativ mild und die Winter kalt. In den Sommern kamen wohl auch die ersten Menschen in das Gebiet, das sich heute Grafschaft Bentheim nennt. Auch in anderen Gegenden Niedersachsens hat man zahlreiche Hinweise auf menschliche Besiedlung aus der damaligen Zeit gefunden.

Neandertaler lebten als Jäger und Sammler - Bild: GG (Neandertalmuseum Mettmann)

Quelle:

- Neues aus dem Westen: Neandertalerzeitliche Funde aus der Grafschaft Bentheim, in: Researchgate.net, hochgeladen von Jana Esther Fries am 1. Januar 2016

- J. E. Fries u. a., Funde aus der Zeit der Neandertaler in der Grafschaft Bentheim, in: Bentheimer Jahrbuch 2015, S. 63 ff

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